Alstom-Aktie fiel am Freitag um 27 Prozent.

Starker Kurseinbruch nach Prognoserückzug

Die Aktie des französischen Zugbauers Alstom sackte am Freitag zum Börsenschluss rund 27 Prozent ab und erreichte damit den tiefsten Stand seit Mitte 2024. Der Absturz folgte auf eine am späten Donnerstagabend veröffentlichte Gewinnwarnung und die überraschende Aufgabe zentraler mittelfristiger Ziele.

Alstom hatte in vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 einen Rekordauftragseingang von 27,6 Milliarden Euro gemeldet. Der Auftragseingang stieg organisch deutlich; der Umsatz wuchs auf vergleichbarer Basis um sieben Prozent und lag insgesamt bei 19,2 Milliarden Euro. Trotzdem reichte das Ergebnis nicht, um die zuvor kommunizierten Margen- und Cashflow-Ziele zu sichern.

Warum die Börse so heftig reagiert

Anleger reagieren auf Erwartungen. Anleger hatten auf eine Verbesserung der Profitabilität gesetzt, nachdem Alstom sich zuletzt von manchen Belastungen gestritten sah. Stattdessen senkte der Konzern die Aussicht auf die bereinigte operative Marge deutlich: Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 peilt Alstom nun eine bereinigte EBIT-Marge von rund 6,5 Prozent an – und damit deutlich unter dem früher genannten Ziel von acht bis zehn Prozent.

Gleichzeitig zog das Management die mittelfristige Zielvorgabe eines kumulierten freien Cashflows von 1,5 Milliarden Euro über die Geschäftsjahre 2024/25 bis 2026/27 zurück. Alstom erwartet zwar weiterhin einen positiven freien Cashflow, rechnet jedoch mit einer saisonalen Belastung von etwa 1,5 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte, die das Ergebnis kurzfristig drücken dürfte.

Operative Probleme trotz vollen Auftragsbüchern

Das Grundproblem sei nicht mangelnde Nachfrage, sagte Martin Sion, Vorstandsvorsitzender von Alstom. "Die Rentabilität blieb hinter den Erwartungen zurück", erklärte Sion und kündigte sofortige Maßnahmen sowie "tiefgreifendere operative Veränderungen" an.

Der Konzern sieht sich also mit einer klassischen Umsetzungs- und Lieferkettenherausforderung konfrontiert: Die Bestellungen sind da, die Auslieferungen haken.

Der Auftragseingang und der Auftragsbestand sind zwar historisch hoch; Alstom vermeldete ein Auftragsvolumen von mehr als 100 Milliarden Euro. Doch die Abarbeitung dieses Volumens belastet die Margen. Die bereinigte operative Marge lag zuletzt nur bei rund sechs Prozent; das Unternehmen hatte zuvor ein Ziel von sieben Prozent genannt. Der freie Cashflow belief sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 330 Millionen Euro und lag damit in der zuvor kommunizierten Bandbreite von 200 bis 400 Millionen Euro.

Integration und Altlasten

Analysten und Marktteilnehmer sehen die Integration der Zugsparte des kanadischen Herstellers Bombardier Transport als einen Faktor, der Alstom zusätzlich belastet hat. Nach der Übernahme hatte Alstom viele preisaggressive Verträge und Produktionsprobleme übernommen, die nicht sofort bereinigt werden konnten. Die Integration gilt inzwischen als abgeschlossen, doch die Folgen für Materialbestände, Produktionstempo und Lieferketten zeigen sich weiterhin in den Margen.

Vor einigen Jahren hatte Alstom bereits einmal vergleichbare Probleme: 2023 und 2024 sorgten rasantes Auftragswachstum sowie Lieferprobleme dafür, dass Lagerbestände und negative Cashflows die Investoren alarmierten. Damals fiel der Kurs deutlich und Alstom verlor am Ende seinen Platz im französischen Leitindex CAC 40. Heute betont das Unternehmen, die Bilanz sei solide und es bestehe kein Liquiditätsproblem. Das Vertrauen der Märkte aber ist empfindlich.

Marktvergleich und Wettbewerbsdruck

Der Branchenvergleich verschärft die Lage. Konkurrenten wie Siemens Mobility präsentierten zuletzt stabilere Zahlen, was Investoren einen Kontrast bietet: Alstom kämpft mit operativen Engpässen, während andere Hersteller ihre Margen besser verteidigen. Der größte Wettbewerber bleibt der chinesische Hersteller CRRC, vor dem Alstom weltweit an zweiter Stelle rangiert.

Investoren schauen eher auf die Zukunft als auf die Vergangenheit. Und die aktualisierten Ziele für Marge und Cashflow haben viele Anleger überrascht. Die Aktie brach intraday teilweise um fast 30 Prozent ein und markierte kurzzeitig den niedrigsten Stand seit Juli 2024.

Was Alstom jetzt ankündigt

Auf Vorstandsebene setzte Alstom Maßnahmen in Aussicht, um die Lage zu stabilisieren. Sion kündigte an, sofort zu handeln und gleichzeitig tiefgreifende operative Veränderungen vorzubereiten. Konkrete Details zu Sparprogrammen, Produktionsverschiebungen oder Projektanpassungen nannte das Management bislang nicht im Detail. Das Unternehmen will aber offenbar eine schnellere Auftragsabwicklung, eine bessere Koordination der Lieferketten und Effizienzsteigerungen in der Produktion vorantreiben.

Finanzziele wurden neu kalibriert: Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet Alstom jetzt ein organisches Umsatzwachstum von rund fünf Prozent sowie eine bereinigte EBIT-Marge um 6,5 Prozent. Angaben zum Nettoergebnis ließ der Konzern vorerst weg, was zusätzliche Unsicherheit schürt.

Risiken und mögliche Folgen

Wenn das Unternehmen neues Kapital braucht, könnten die Finanzierungskosten wegen des Kursdrucks kurzfristig steigen. Alstom betont jedoch, es gebe kein Liquiditätsproblem. Ob sich Alstom mittelfristig erholt, hängt davon ab, ob sie Produktion und Auslieferungen besser in den Griff bekommen. Gelingt das nicht, drohen weitere Margendruck und anhaltende Kursverluste.

Politisch spielt das auch eine Rolle, denn viele Aufträge kommen von öffentlichen Stellen und sind wichtig für Verkehrsnetze und Klimaziele. Verzögerungen bei Schienenprojekten können zu politischem Druck und Vertragsstrafen führen, was die Profitabilität zusätzlich belasten würde.

Investoren werden nun genau auf Quartalszahlen, Cashflow-Entwicklung und Management-Kommentare achten. Analysten dürften ihre Schätzungen anpassen, sobald Alstom detailliertere Zahlen und ein Maßnahmenpaket vorlegt.

Börsentechnik und kurzfristige Perspektive

Technisch steht die Aktie nun wieder auf dem Niveau von Mitte 2024. In der Vergangenheit hat Alstom Phasen der Konsolidierung durchlaufen und sich später erholt. Ob das Unternehmen diesmal schneller wieder Vertrauen gewinnt, hängt vom Tempo der operativen Verbesserungen ab. Erste Hinweise werden die halbjährlichen Zahlen und die Berichte zur Auslieferung wichtiger Zugprojekte liefern.

Die Entscheidung, mittelfristige Ziele zurückzunehmen, hat bei Anlegern Erwartungen gesenkt. Ein stabiler oder wieder ansteigender Kurs braucht nach Marktpessimismus klare Belege für verbesserte Margen und planmäßigen Cashflow.

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"Die Rentabilität blieb hinter den Erwartungen zurück", sagte Martin Sion, Vorstandsvorsitzender von Alstom.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.