Fast 39 Prozent der im Jahr 2025 erkannten Betrugsfälle im Online-Handel entfallen auf sogenannte First-Party-Fälle, also echte, registrierte Kunden, die Zahlungen verweigern, ihre Identität weitergeben oder falsche Reklamationen einreichen. Das ergibt eine Analyse von LexisNexis Risk Solutions, die 116 Milliarden Transaktionen im Digital Identity Network auswertete und einen Anstieg von knapp zwei Prozentpunkten gegenüber 2024 feststellte. Für Händler und Zahlungsdienstleister bedeutet das, Identitätsprüfung, Liefernachweise und Bonitätsprüfungen enger zu verzahnen, um professionalisierten Vermittlungsnetzwerken entgegenzutreten.

116 Milliarden Transaktionen bildeten die Datengrundlage der Untersuchung von LexisNexis Risk Solutions, die das Unternehmen in seinem Digital Identity Network erfasst und auswertet. Aus dieser Datenbasis errechneten die Analysten, dass 38,8 Prozent der erkannten Betrugsfälle im Online-Handel 2025 auf echte, registrierte Kunden zurückgehen, also auf Fälle, in denen Kontoinhaber selbst betrügerisch handeln oder ihre Identität an Dritte weitergeben.

First-Party-Betrug bezeichnet Szenarien, in denen der offensichtliche Käufer bei einer Bestellung zugleich der Täter ist beziehungsweise die Zahlung verweigert, die Identität weitergibt oder falsche Reklamationen einreicht. LexisNexis meldet, dass dieser Falltyp global an Bedeutung gewonnen hat und in Europa 2025 sogar bei knapp 52 Prozent aller untersuchten Fälle liegt. Das ist bemerkenswert, weil Händler und Zahlungsdienstleister ihre Systeme lange vor allem auf externe Identitätsdiebstähle und betrügerische Kontonutzung ausgerichtet hatten.

Die Studienautoren beschreiben keinen Einzelfall, sondern einen strukturellen Wandel: First-Party-Betrug werde zunehmend professionalisiert. Jason Lane-Sellers, Cyberbetrugsexperte bei LexisNexis Risk Solutions, erklärt, die derzeitige wirtschaftliche Lage mache Menschen anfälliger für Angebote krimineller Vermittler. Diese Netzwerke rekrutierten gezielt Personen mit schlechter Bonität, Studierende oder Rentner und zahlten den Rekrutierten zusätzliche Beträge, um als vermeintlich legitime Käufer aufzutreten.

Die Mechanik der Maschen und die Rolle von Finanzprodukten

Typische Methoden der Rekrutierten sind laut Studie bestechend simpel: Bestellungen auf Rechnung oder mit Kreditverträgen, Annahme der Lieferung und anschließende Verweigerung der Zahlung. Häufig reklamieren die Kunden, die Bestellung sei nicht getätigt worden oder die Ware sei nicht angekommen. Lane-Sellers nannte das Beispiel, dass Käufer die neuesten Sportschuhe bestellen und später das Ausbleiben der Lieferung behaupten, obwohl das Paket zugestellt wurde.

Die Ausbreitung von Finanzprodukten mit niedrigen Einstiegshürden verschärft dieses Geschäftsmodell, weil teure Geräte heute häufig über Zwei-Jahres-Kreditverträge ohne Anzahlung oder über Buy-Now-Pay-Later-Angebote finanziert werden können. LexisNexis sieht daher die stärksten Auswirkungen bei Zahlungsdienstleistern und Kreditgebern, die solche Finanzierungsoptionen bereitstellen.

Solche Produkte reduzieren die Hürde für betrügerisches Verhalten, weil die initiale Belastung fehlt und die Lieferkette für Betrüger leichter auszunutzen ist.

Ein Sprecher des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel, BEVH, bestätigte gegenüber den Autoren der Analyse die Einschätzung, dass viele der angeworbenen Personen gar nicht wüssten, dass sie Teil einer Betrugsmasche werden. Die Vermittler zahlten nach Angaben von LexisNexis etwa 50 Euro zusätzlich pro Rekrut und instruieren sie, bei Bestellungen als normale Kunden aufzutreten. Diese Gewinnspanne macht die Rekrutierung wirtschaftlich attraktiv und erklärt, warum sich das Vorgehen großflächig etabliert hat.

Auch aus deutscher Perspektive meldete sich der Handel zu Wort: Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern HBE, warnte, der boomende Online-Handel ziehe illegale Akteure an, die sich ein Stück vom Markt nehmen wollen. Die unmittelbaren Folgen betreffen nicht nur direkte Zahlungsausfälle, sondern auch steigende Kosten für Prüfprozesse, Reklamationsbearbeitung und Rückabwicklungen.

Die LexisNexis-Analyse liefert jedoch keine aggregierten Verlustzahlen für Handel oder Finanzdienstleister. Sie macht stattdessen das Ausmaß und die Strukturveränderung dieses Betrugstyps sichtbar, indem sie erstmals großmaßstäbliche und vergleichbare Kennzahlen für First-Party-Fälle bereitstellt. Gleichzeitig nennt die Studie keine einzelnen Tätergruppen oder Länder als Ursprungsorte der organisierten Netzwerke, sie bleibt auf der Ebene von Verhaltensmustern und regionalen Anteilen.

Für Praktiker heißt das: Identitätsprüfungen allein reichen nicht mehr. Händler, Zahlungsdienstleister und Kreditgeber stehen vor der Aufgabe, Identitätsprüfung, Liefernachweise und Bonitätsprüfungen enger zu verzahnen, um Muster von rekrutiertem Missbrauch zu erkennen. In der Studie wird diese kombinierte Verteidigung als notwendige Antwort empfohlen, weil einzelne Maßnahmen in der Kette von Bestellung bis Zahlung leicht umgangen werden können.

Kurzfristig dürften Shopbetreiber und Zahlungsdienstleister ihre Prüfregime verschärfen und die Prozesse für Reklamationen und Liefernachweise anpassen. Langfristig zeigt die Analyse einen Trend zur Professionalisierung des First-Party-Betrugs, der das Risiko für Händler systematisch erhöht und die Kosten im E-Commerce steigen lässt.

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Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.