Unternehmen melden Rekord-Unsicherheit wegen Iran-Kriegs. Im März nannten 78,6 Prozent der Betriebe Schwierigkeiten, ihre Zukunft zu planen, so das Ifo-Institut. Die Folgen reichen von höheren Energiepreisen bis zu gestörten Lieferketten.
Was die Zahlen sagen
Die jüngste Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts zeigt deutliche Nervosität in der deutschen Wirtschaft. Im März gaben 78,6 Prozent der befragten Unternehmen an, es falle ihnen schwer oder eher schwer, die eigene Geschäftsentwicklung verlässlich einzuschätzen. Das ist ein Anstieg gegenüber 75,4 Prozent im Februar und der höchste Wert seit Februar 2024.
Besonders betroffen ist die Industrie: Hier lag der Anteil der verunsicherten Unternehmen bei 87,7 Prozent. In energieintensiven Bereichen ist die Lage noch angespannter: In der Chemiebranche berichten rund 95 Prozent der Firmen von Planungsproblemen; Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren meldeten 93,9 Prozent. Auch Logistikunternehmen sind stark betroffen — die Unsicherheit in diesem Sektor kletterte auf 88,1 Prozent nach 82,7 Prozent im Vormonat.
Man merkt das klar: Der Iran‑Krieg trifft inzwischen unsere Lieferketten und zieht die Energiepreise nach oben.
Gründe für die Verunsicherung
Das Ifo-Institut führt die erhöhte Unsicherheit direkt auf die geopolitische Lage im Nahen Osten zurück. "Der Krieg im Iran hat die Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft spürbar erhöht", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen.
Die Unternehmen sähen sich gleichzeitig mit steigenden Energiekosten und möglichen Störungen in den Lieferketten konfrontiert.
Die Folgen zeigen sich bereits in den Zahlen zur Inflation und zum Verbrauchervertrauen: Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland im März um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Euro-Raum lag die Teuerung laut Eurostat im selben Monat bei 2,5 Prozent. Energiepreise legten in Deutschland im März voraussichtlich um 7,2 Prozent zu — ein wesentlicher Treiber der gestiegenen Inflation.
Konjunkturausblick verschlechtert
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland haben ihre Wachstumserwartungen im Frühjahrsgutachten nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr rechnen sie nun nur noch mit einem BIP-Anstieg von 0,6 Prozent; in der Herbstprognose war noch ein Plus von 1,3 Prozent veranschlagt. Für 2027 senkten die Institute die Vorhersage von 1,4 auf 0,9 Prozent.
Konkret: Schwächeres Wachstum trifft auf steigende Preise. Die Institute gehen jetzt von einer Jahresinflation von 2,8 Prozent für dieses und das nächste Jahr aus — deutlich mehr als zuvor erwartet. Diese Kombination macht die Planung für Unternehmen noch schwieriger — und erhöht das Risiko, dass Investitionen zurückgestellt werden.
Welche Branchen am meisten leiden
Die Ifo-Daten zeigen ein klares Bild: Schwer trifft es energieintensive Industrien und Bereiche mit langen, komplexen Lieferketten. Chemiefirmen und Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren nannten die höchsten Unsicherheitswerte. Auch der Transport- und Logistiksektor leidet unter den Folgen der instabilen Weltlage; die Planungsschwierigkeiten bei Transportunternehmen stiegen spürbar.
Im Dienstleistungssektor nahm die Unsicherheit ebenfalls zu — dort lag der Anteil verunsicherter Betriebe im März bei 72,0 Prozent, nach 66,6 Prozent im Februar. Der Handel zeigte leichte Zuwächse auf ohnehin hohem Niveau.
Insgesamt steht ein Großteil der Wirtschaft unter Druck, weil die Zukunftsabschätzungen erschwert sind.
Folgen für Investitionen und Wachstum
Unternehmen brauchen verlässliche Prognosen zu Nachfrage, Preisen und Kosten, um zu investieren. Da fast vier von fünf Firmen ihre Zukunft nicht einschätzen können, verschieben viele geplante Investitionen oder streichen sie ganz.
Diese Zurückhaltung kann die erwartete Erholung dämpfen. Schon die Institute warnen, dass andauernde Unsicherheit Investitionen und damit das Wachstum belastet. Hinzu kommt: Energieintensive Produktionen können sich bei anhaltend hohen Energiekosten unrentabel entwickeln, was wiederum Produktion und Beschäftigung gefährdet.
Auswirkungen auf Verbraucher und Preise
Die steigenden Energiepreise haben unmittelbar Folgen für die Verbraucher: Das Konsumklima der Marktforscher wurde im April deutlich schlechter — die GfK und das Nürnberger Institut für Marktentscheidungen (NIM) melden einen Rückgang auf minus 28,0 Punkte. Schwächere Einkommenserwartungen und die Angst vor weiter steigenden Preisen bremsen die Nachfrage.
Bleibt die Unsicherheit langfristig, werden Unternehmen steigende Kosten wohl an Kunden weiterreichen — das würde den Inflationsdruck erhöhen. Dann stünde die Geldpolitik vor einem Dilemma: höhere Zinsen gegen die Inflation würden zugleich Wachstum und Investitionen bremsen.
Politische und betriebliche Reaktionen
Auf politischer Ebene steht die Debatte über Energieversorgungssicherheit, Versorgungsketten und mögliche fiskalische Gegenmaßnahmen im Raum. Firmen reagieren kurzfristig mit Anpassungen: Lagerhaltung wird erhöht, Lieferquellen diversifiziert, und manch einer prüft Zusatzkosten durch Absicherungen gegen volatile Preise.
Langfristig werden Standortfragen wieder wichtiger. Die Ifo-Daten zeigen bereits seit Oktober 2021, dass die Industrie dauerhaft überdurchschnittlich hohe Unsicherheitswerte meldet — ein Signal dafür, dass strukturelle Herausforderungen existieren, die über kurzfristige Schwankungen hinausgehen.
Blick nach vorn
Die Lage bleibt unberechenbar und kann sich rasch ändern.
Fallen die politischen Spannungen, dürften Lieferketten und Preise wieder ruhiger werden. Kommen dagegen neue Schocks hinzu — etwa weitere Energiepreiswellen oder ausgeweitete Handelsstörungen — wäre das ein schwerer Rückschlag für die Erholung.en —, wären die wirtschaftlichen Folgen spürbar größer.
Für Unternehmen heißt das: Szenarien durchspielen, Kostenstrukturen prüfen und Investitionen kritisch priorisieren. Für Politik und Notenbank sind die nächsten Daten entscheidend, um die Balance zwischen Preisstabilität und Wachstum zu finden.
Related Articles
"Je länger die Unsicherheit anhält, desto mehr geraten Investitionen und Wachstum unter Druck", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.