Ende 2024 gab es knapp 15 Millionen Riester‑Verträge. Viele Sparer zahlen nicht mehr ein. Die Koalition will ab Januar 2027 eine neue staatliche Förderung einführen.
Was die neuen Regeln vorsehen
Union und SPD haben sich auf ein Paket zur Neuordnung der privaten Altersvorsorge geeinigt. Künftig sollen drei Produktvarianten gefördert werden: ein sicherheitsorientiertes Angebot mit 100‑Prozent‑Garantie auf eingezahlte Beiträge, eine Zwischenlösung mit 80‑Prozent‑Garantie und ein sogenanntes Altersvorsorgedepot, das ohne Kapitalgarantie höhere Renditechancen am Markt eröffnen soll.
Wichtigstes Ziel der Reform ist, Sparerinnen und Sparern mehr Wahlfreiheit bei der Altersvorsorge zu geben. Finanzminister Lars Klingbeil, SPD, hatte ursprünglich einen Kostendeckel von 1,5 Prozent für Standarddepots vorgeschlagen. Im parlamentarischen Prozess einigte sich die Koalition auf einen engeren Deckel von einem Prozent der Effektivkosten für Standardprodukte, die für wenig markterfahrene Anleger gedacht sind.
Neu ist, dass künftig auch Selbstständige Anspruch auf staatlich geförderte Altersvorsorge bekommen sollen. Die Koalition begründet das mit prekären Altersrisiken bei Personen ohne Rentenversicherungspflicht. Familien und Menschen mit geringen Einzahlungen sollen künftig stärkere staatliche Zuschüsse erhalten, heißt es aus der Koalition.
Warum die Reform kommt
Die Riester‑Rente hat an Zuspruch verloren. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums gab es Ende 2024 noch knapp 15 Millionen Verträge.
In geschätzten 20 bis 25 Prozent dieser Verträge wurde längst nicht mehr eingezahlt.
Die klassische Riester‑Förderung basierte auf staatlichen Zulagen, Steuervorteilen und der Pflicht zur Beitragsgarantie. Diese 100‑Prozent‑Garantie schränkte die Anlagemöglichkeiten der Anbieter ein und dämpfte Renditechancen. Gleichzeitig fielen für Abschluss und Verwaltung oft relativ hohe Gebühren an, von denen Versicherer und Finanzinstitute profitierten. Genau hier setzt die Reform an: die Garantiefrage offenlegen, das Produktangebot vereinfachen, Kosten stärker begrenzen.
Wer gewinnt: Institutionen, Marktteilnehmer, oder Sparer?
Je nach Alter und Risiko‑Bereitschaft werden Menschen unterschiedlich von der Reform betroffen sein. Kurzfristig profitieren eher Sparerinnen und Sparer, die noch Jahrzehnte bis zur Rente haben und bereit sind, Marktrisiken einzugehen: Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie bietet die Chance auf höhere Renditen durch breit gestreute Exchange‑Traded Funds (ETFs) oder andere Aktien‑ und Anleiheprodukte.
Wer keine Kursschwankungen akzeptieren will, kann weiterhin das Produkt mit 100‑prozentiger Beitragsgarantie wählen. Das bedeutet: Menschen kurz vor der Rente oder jene, die keinerlei Kursschwankungen tolerieren wollen, behalten eine sichere Option.
Die Finanzbranche dürfte davon klar profitieren. Fondsmanager und ETF‑Anbieter bekommen mit dem Depotprodukt neue Volumina zur Verwaltung. Kritiker weisen darauf hin, dass die Profitchancen der Branche steigen, wenn Gelder aus Riester‑Verträgen in kapitalmarktorientierte Anlagen fließen.
Kosten, Standarddepot und junge Sparer
Im Zentrum der Debatte stehen weiterhin die Gebühren. Der ursprünglich von Minister Klingbeil vorgeschlagene Deckel von 1,5 Prozent pro Jahr rief Widerstand hervor; Kritiker warnten, dass solche Gebühren junge Anleger über Jahrzehnte belasten würden. In der Einigung der Koalition wurde der Deckel nun auf ein Prozent der Effektivkosten gesenkt.
Ein Standarddepot für Einsteiger soll von einem öffentlichen Träger angeboten werden und besonders niedrigschwelligen Zugang ermöglichen. Das Ziel: Menschen mit wenig Kapitalmarkterfahrung sollen kostengünstig investieren können. Die Frage bleibt, ob ein Ein‑Prozent‑Deckel ausreicht, um Verwaltung, Vertrieb und angemessene Renditen unter einen Hut zu bringen — und ob er genug Druck auf private Anbieter ausübt, ihre Gebühren zu senken.
Kritik aus Branche und Verbänden
Der Hauptgeschäftsführer des Versicherungsverbandes GDV, Jörg Asmussen, warnte vor einer Verdrängung privater Anbieter: "Private Vorsorgeprodukte sollten nicht durch einen Staatsfonds verdrängt werden", sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. Er argumentiert, ein öffentlich getragenes Standardangebot könne den Wettbewerb verzerren, wenn Verwaltung und Vertrieb staatlich subventioniert würden.
Thomas Richter vom Fondsverband BVI formulierte eine ähnliche Sorge: "Es sei kein fairer Wettbewerb möglich, wenn Verwaltung und Vertrieb mit Steuergeldern quersubventioniert würden", sagte Thomas Richter, Vertreter des BVI. Beide Stimmen drücken die Angst der Branche aus, dass staatlich gestützte Produkte Marktanteile abziehen könnten.
Auf der anderen Seite sehen Befürworter die Reform als Chance, Fehlanreize der Riester‑Ära zu korrigieren. Frauke Heiligenstadt, Sprecherin der SPD‑Bundestagsfraktion, nannte die derzeitige Riester‑Vorsorge "reformbedürftig, zu intransparent, zu teuer und auch nicht nachvollziehbar". Nach ihrer Darstellung sollen die neuen Regeln für mehr Transparenz, einfacheren Abschluss und zielgenaue Förderung sorgen.
Für wen die Reform wenig ändert
Ärmere Haushalte ohne nennenswerte Spareinlagen können trotz höherer Zuschüsse weiterhin marginal profitieren. Die Reform verbessert die Rahmenbedingungen, doch ohne eigenen Vermögensaufbau bleiben die Effekte begrenzt. Das zeigt sich bereits bei der Altbestandslage: Millionen von Verträgen sind faktisch inaktiv.
Auch Menschen mit sehr geringen Beiträgen profitieren nur, wenn die Zuschüsse so bemessen sind, dass sie einen spürbaren Effekt auf die spätere Rentenzahlung haben. Genauere Beträge und Staffelungen für Zulagen wurden in den vorliegenden Entwurfsdokumenten nur skizziert; die exakten Werte sollen in den weiteren Beratungen festgelegt werden.
Lehren aus der Riester‑Bilanz
Die Riester‑Politik der vergangenen Jahre zeigt zwei Lehren: Erstens: Garantieversprechen schützen Sparer vor Kursschwankungen, senken aber langfristig die Renditepotenziale. Zweitens: Komplexe Produkte mit hohen Abschlusskosten schrecken jenen Teil der Bevölkerung ab, der die Förderung am dringendsten bräuchte.
Die neue Regelung versucht, beides zu verbinden: garantierte und renditeorientierte Angebote unter einem Dach. Ob das gelingt, hängt an der Ausgestaltung des Standarddepots, an der Höhe der staatlichen Zuschüsse und an der Frage, wie transparent und leicht verständlich die Angebote tatsächlich werden.
Rechtspolitischer Fahrplan
Die Koalition plant, die neue Förderung zum 1. Januar 2027 in Kraft zu setzen. Bis dahin müssen Details wie Produktstandards, genaue Kostendefinitionen und die staatliche Rolle in der Bereitstellung des Standardprodukts ausgehandelt werden. Die Verbände werden die Debatte weiterhin intensiv begleiten.
Die Reform ist ein Versuch, die Schwächen der Riester‑Rente zu beheben und zugleich neue Optionen für Selbstständige und Geringverdiener zu schaffen. Ob der Plan tatsächlich breitere Altersvorsorge stärkt oder vor allem der Finanzbranche neue Einnahmequellen eröffnet, bleibt ein zentrales Thema der nächsten Monate.
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Ab Januar 2027 soll die neue staatlich geförderte Altersvorsorge gelten, berichtet die Koalition.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.