Der Mornos-Stausee liegt halb leer. Athen droht das Wasser auszugehen. Die Regierung plant, zwei Gebirgsflüsse umzuleiten.

Notstand und Zahlen

Vor den Toren Athens zeichnet sich eine Krise ab: Der Mornos-Stausee, einer der wichtigsten Wasserspeicher für die griechische Hauptstadt, verlor im vergangenen Jahr etwa die Hälfte seines Volumens, berichtet Moritz Pompl, ARD-Korrespondent in Athen.

Der Pegel fiel in den letzten drei Jahren auf einen Rekordtiefstand.

Rund 200 Kilometer nordwestlich von Athen trat am freigelegten Ufer das alte Dorf Kallio wieder zu Tage — ein sichtbares Zeichen für den abnehmenden Vorrat. EYDAP, der Wasserversorger für die Region, warnte bereits im November, dass die Vorräte unter die Menge gefallen seien, die Athen in einem Jahr verbraucht.

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärte daraufhin den Wassernotstand und forderte, man müsse sich "auf den schlimmsten Fall vorbereiten", so die Regierungskommunikation.

Die geplante Umleitung

Der Notfallplan will zwei Gebirgsflüsse in Zentralgriechenland anzapfen und das Wasser durch Tunnel nach Athen leiten. Die Tunnelprojekte sollen die städtische Versorgung kurzfristig stabilisieren.

Die Idee ist einfach: Mehr Wasser soll nach Athen fließen. Das Problem ist die Umsetzung.

Für Athen würde die Maßnahme die akute Knappheit lindern. Für die Regionen, durch die die Flüsse fließen, könnte sie aber dramatische Folgen haben — ökologisch und ökonomisch. EYDAP und die Regierung sehen in der Umleitung einen schnellen Weg, die Trinkwasserversorgung der 4 Millionen Einwohner großen Metropolregion zu sichern.

Widerstand in den Bergen

In der Provinz regt sich heftiger Widerstand. In Karpenisi, einer Kleinstadt in Evrytania, formierte sich eine Initiative gegen die Pläne; zuletzt demonstrierten Hunderte Menschen gegen die geplanten Umleitungen, berichtet Moritz Pompl.

Die Menschen in den Bergen fürchten, dass die Flüsse austrocknen und damit Lebensgrundlagen verloren gehen.

Apostolos Gerodimos, der in dem inzwischen unter Wasser stehenden Dorf Kallio aufgewachsen ist und damals mit seiner Familie wegziehen musste, beschreibt das Wiederauftauchen der Ruinen als ein seltsames Gefühl und als mahnendes Zeichen für die knapper werdenden Reserven.

Sophia Flegka vom Hotelverband der Region Evrytania warnt, dass der Tourismus leiden würde, falls Flussläufe und Seen an Wasser verlieren; dadurch würden Arbeitsplätze wegfallen und junge Menschen noch stärker abwandern.

Landwirtschaft und lokale Nutzung

Nikos Tsoutsouras, der am Fluss aufgewachsen ist und seine Kühe in den Auen weiden lässt, sagt, dass die geplanten Tunnel seine Tiere ihrer Weide entziehen würden; und ohne Wasser gäbe es schlicht kein Futter mehr.

Wichtig ist, dass die Flüsse nicht nur zur Erholung dienen, sondern auch die wirtschaftliche Basis bilden.

Bürgermeister Christos Kakavas von Karpenisi schlägt stattdessen vor, zuerst in die Wasserinfrastruktur zu investieren. Er fordert Verbesserungen bei der lokalen Versorgung und bei der Speicherung, bevor man das Wasser aus den Bergen abzweigt.

Diese Forderung verweist auf ein längerfristiges Problem: Veraltete Leitungen, Verluste durch Lecks und ineffiziente Bewässerung machen viele Regionen anfällig — und sind Teil der Debatte um Verteilungsgerechtigkeit.

Politische Brüche — Hauptstadt gegen Provinz

Die Kontroverse legt ein zentrales politisches Spannungsfeld offen: Die Bedürfnisse der Hauptstadt versus die Rechte der peripheren Regionen. In Athen geht es um städtische Grundversorgung; in Evrytania um Existenzen und lokale Ökonomien.

Regierung und Kommunalvertreter liefern sich öffentliche Auseinandersetzungen. Mitsotakis betonte die Notwendigkeit raschen Handelns, während lokale Akteure auf die Folgen und Risiken für ihre Gemeinden verweisen.

Solche Konflikte sind politisch heikel: Wer das Wasser umleitet, trifft auf Wähler — und auf Tourismus- und Landwirtschaftsinteressen, die für die ohnehin dünn besiedelten Bergregionen überlebenswichtig sind.

Klima, Infrastruktur und langfristige Risiken

Der Klimawandel wird in der Debatte als zentrale Ursache genannt. Pompl berichtet, dass unregelmäßige Niederschläge, Dürreperioden und extreme Wetterereignisse, wie jüngst Sandstürme gefolgt von starken Regenfällen, das Bild prägen: Einerseits bringen Unwetter kurzfristig Wasser, andererseits dominieren längere Trockenphasen den Trend.

Dass der Mornos-See auf geringere Pegel schrumpft, ist nur eines von mehreren Indizien. Experten vor Ort verweisen auf die Notwendigkeit, Wasserreserven besser zu managen, Speicherkapazitäten zu erhöhen und die Verteilungsinfrastruktur zu modernisieren.

Ausbauprojekte kosten Zeit und Geld. Kurzfristige Lösungen wie Wasserleitungen nach Athen sind politisch oft beliebter, weil sie schnell wirken. Langfristige Investitionen in Effizienz und lokale Speicherung werden dagegen seltener prioritisiert.

Ökonomische Folgen

Wasserknappheit trifft mehrere Wirtschaftssektoren zugleich: Trinkwasser, Landwirtschaft und Tourismus. Gerade in ländlichen Regionen hängt die Wirtschaft stark von intakten Flusssystemen ab.

Wenn Flüsse weniger Wasser führen, dann sind Ernteausfälle, sinkende Viehbestände und Rückgänge bei Outdoor-Aktivitäten wie Kajakfahren zu erwarten. Das wäre ein Problem für lokale Betriebe und für die Beschäftigung in strukturschwachen Regionen.

Für Athen bedeutet ein stabiler Wasserzufluss wirtschaftliche Sicherheit: Haushalte, Gewerbe und Industrie brauchen Planungssicherheit. Doch die Frage bleibt, wer die Lasten trägt und wer die kurzfristigen Gewinne einfährt.

Rechtliche und praktische Hürden

Technisch sind Tunnelprojekte möglich, doch sie erfordern Umweltprüfungen, Genehmigungen und Koordination zwischen nationalen und lokalen Behörden. Zudem steht die Frage im Raum, ob bestehende Wassernutzungsrechte rechtlich angegriffen werden könnten.

Die Diskussion dreht sich also nicht nur um Pumpen und Rohre, sondern auch um Governance: Wer entscheidet, wie Wasser verteilt wird, und nach welchen Kriterien?

Die Regierung argumentiert mit der Sicherung der Hauptstadtversorgung; lokale Vertreter fordern verlässliche Garantien und Kompensationen für betroffene Gemeinden.

Was jetzt ansteht

Praktisch stehen Verhandlungen und Umweltprüfungen an. Proteste und Petitionen könnten rechtliche Schritte nach sich ziehen. Politisch wird das Thema Wahlen und lokale Machtverhältnisse beeinflussen.

Moritz Pompl berichtet, dass die Debatte in Griechenland inzwischen eine nationale Dimension angenommen hat — sie zeigt, wie knappe Ressourcen regionalen Zwist anfachen können.

Die Regierung muss entscheiden, ob sie schnelle Lösungen durchsetzt oder Kompromisse sucht, die lokale Bedürfnisse besser berücksichtigen.

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"Man müsse sich auf den schlimmsten Fall vorbereiten", sagte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, nachdem EYDAP in der vergangenen November-Warnung erklärt hatte, die Vorräte seien unter den Jahresverbrauch Athens gefallen.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.