Die Hannover Messe begann mit einer unspektakulären, aber ernsten Ansage: Der BDI hat seine Jahresprognose gekappt – für 2026 erwartet der Verband kein Wachstum der Industrieproduktion, allenfalls Stagnation.

Weniger Optimismus zur Hannover Messe

Die Hannover Messe begann mit einer unspektakulären, aber ernsten Ansage: Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, hat zum Auftakt die eigene Jahresprognose zurückgezogen. Nach Angaben des Verbands rechnet der BDI nicht mehr mit einem Produktionszuwachs, sondern bestenfalls mit stagnierenden Ergebnissen. Die Prognose vom Januar, die noch ein Plus von einem Prozent vorsah, ist damit kassiert.

Seit 2022 gebe es jährlich sinkende Produktionszahlen, sagte Leibinger. Das Problem sei nicht neu, die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verschärften die Lage jedoch.

Welche Faktoren die Einschätzung drehten

Der Verband nennt mehrere Treiber für die schlechtere Aussicht:

  • Krieg im Iran: Störungen in der globalen Versorgung mit Energie und Rohstoffen.
  • Steigende Energiepreise: Die Unsicherheit hat laut BDI die Kosten erhöht.
  • Lieferverzögerungen: Probleme beim Durchfahren der Straße von Hormus haben Lieferketten belastet.

Als Folge liegt die Produktion im verarbeitenden Gewerbe deutlich unter früheren Niveaus; die Kapazitäten seien nur teilweise ausgelastet. Sollte sich die Störung des Seewegs weiter hinziehen, drohe dem Sektor ein fünftes Jahr in Folge mit fallender Produktion, so der Verband.

Politik, Kosten und Reformbedarf

Leibinger betonte, dass die tieferen Ursachen in Deutschland selbst lägen: hohe Standortkosten, steuerliche Belastungen und bürokratische Hürden machten dem Industriestandort zu schaffen. Ohne strukturelle Veränderungen werde Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Der BDI forderte die Bundesregierung auf, bis zum Sommer ein umfassendes Reformpaket vorzulegen. Finanzielle Impulse etwa für Verteidigung und Infrastruktur könnten die Nachfrage stützen, reichen laut Leibinger aber nicht allein für einen nachhaltigen Aufschwung.

Branchen reagieren unterschiedlich

Die Stimmung innerhalb der Industrie ist gespalten. Vertreter des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwarten für ihren Bereich moderates Wachstum: Die Produktion könnte um etwa ein Prozent steigen, so die vorsichtige Einschätzung.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) rechnet unter der Voraussetzung einer Normalisierung der Lage im Iran sogar mit rund zwei Prozent mehr Produktion in der Elektro- und Digitalindustrie. ZVEI-Präsident Gunther Kegel betonte die technologische Dynamik in seiner Branche und nannte neue Technologien, darunter humanoide Roboter, als Chance für die Wettbewerbsfähigkeit.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Wolfgang Große Entrup, warnte bereits vor Wochen, dass strategische Planung schwieriger werde und viele Unternehmen inzwischen "auf Sicht" fahren. Diese Warnung behält nach Angaben des BDI an Dringlichkeit bei.

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„Für 2026 rechnen wir nicht mehr mit einer Erholung, sondern mit Stagnation“, sagte Peter Leibinger, Präsident des BDI.

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