Private-Credit-Riesen verloren seit Jahresbeginn bis zu 42 Prozent ihres Börsenwerts. Die Wellen schlagen weit über die Branche hinaus.
Was ist passiert?
Die Aktien großer Private-Credit-Gesellschaften sind in den ersten Monaten dieses Jahres kräftig eingebrochen. Blue Owl, KKR und Ares haben laut Marktauswertungen zwischen 29 und 42 Prozent an Börsenwert verloren, und damit wird aus einem Nischensegment plötzlich ein Problem, das Anleger, Banken und Regulatoren wachrüttelt.
Der Markt für Private Credit ist inzwischen sehr groß. Branchenstudien schätzen das Volumen aktuell auf rund 1,8 Billionen US-Dollar. Weltweit könnte es bis 2028 auf etwa drei Billionen anwachsen, sagt die Ratingagentur Moody's. Das ist eine ordentliche Größenordnung — und das macht die Lage kompliziert.
Warum die Angst?
Nach der Finanzkrise 2008 zog sich das Bankensystem aus riskanteren Kreditgeschäften zurück. Das schuf Raum für Nicht-Banken: Fonds, Pensionskassen, Versicherer und spezialisierte Manager traten an deren Stelle und vergaben Kredite direkt an Unternehmen. Sascha Steffen, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, erklärt, dass strengere Bankregeln diese Lücke geschaffen hätten und Nicht-Banken deshalb mehr Spielraum und weniger Transparenz genießen.
Das Problem ist, dass dieses Geschäftsmodell eine Schwachstelle hat: Die Kreditgeber sind zwar keine Banken, aber sie sind eng mit dem traditionellen Finanzsystem verbunden. Sie finanzieren sich über Einlagen großer Institutionen, über Bankkredite oder durch Kapitalmärkte. Fällt ein Teil dieser Strukturen in Schieflage, können die Verluste weitergereicht werden.
Welche Risiken liegen offen?
Mehrere Gefahren sind derzeit sichtbar. Erstens: Ausfallraten. Analystenhäuser sehen steigende Ausfälle, vor allem in Branchen, die von der aktuellen Technologiewelle betroffen sind.
Morgan Stanley schätzt, dass sich die Ausfallraten bei bestimmten Portfolios bis auf etwa acht Prozent verdoppeln könnten; die UBS skizziert im Worst-Case-Szenario sogar bis zu 15 Prozent.
Zweitens: Liquidität. Private-Credit-Fonds sind oft nicht täglich handelbar. Viele Produkte haben Rückgabebeschränkungen oder setzen Fristen voraus, damit Manager Mittel beschaffen können. Börsen- und Fondsbeobachter berichten, dass Anleger in letzter Zeit verstärkt versucht haben, Geld abzuziehen — was Fondsmanager zu sogenannten "Gates" zwang, also zur temporären Aussetzung von Rückgaben.
Drittens: Vernetzung mit Banken. Große Institute beteiligen sich am Markt: US-Banken haben dem Private-Credit-Segment laut Publikationen Kredite in Höhe von rund 300 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt. Und deutsche Banken wie die Deutsche Bank berichteten jüngst über ein Private-Credit-Exposure von rund 26 Milliarden Euro. Wenn Teile dieses Konstrukts ins Stolpern geraten, trifft das also auch klassische Bankbilanzen.
Was bedeutet das für Eltifs?
Eltifs — Europäische langfristige Anlagefonds — investieren zunehmend in Private Markets, inklusive Private Credit. Sie gelten als Vehikel, um institutionellen und privaten Investoren Zugang zu illiquiden Anlagen zu geben. Das Problem: Eltifs versprechen Anlegern längere Haltedauern, aber sie schirmen Investoren nicht automatisch gegen Marktstress ab.
Viele Eltifs besitzen Tranche-Strukturen und Liquiditätsmanagement-Regeln, die Rückgaben steuern können. Dennoch hängt das Risiko stark von der Zusammensetzung der Portfolios ab: Wenn ein Eltif stark in Kreditexposure bei stark betroffenen Private-Credit-Managern investiert ist, steigt die Verletzlichkeit. Anleger, die auf laufende Erträge und vermeintliche Stabilität setzen, könnten überrascht werden, wenn Abschläge und Ausfälle steigen.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Analysen zeigen, dass Private-Credit-Portfolios in den USA überproportional in Softwarefirmen investiert sind — Schätzungen von Morgan Stanley sprechen von rund 26 Prozent im Softwarebereich. Software-as-a-Service (SaaS)-Geschäfte galten lange als resistent. Doch die rasante Verbreitung günstiger KI-Lösungen macht Investoren nervös: Sie fürchten, dass etablierte Anbieter Marktanteile verlieren oder dass Abo-Erlöse unter Druck geraten.
Das hat Folgen für Kreditgeber, die sich auf stabile Cashflows verließen. Steigende Ausfälle in einem Sektor können Portfolioabschläge nach sich ziehen — und die Liquidität der Fondsseite belasten.
Wie reagieren Anleger und Manager?
Man sieht schon erste Reaktionen.
Große Manager wie Blackstone, Ares und Apollo haben in den vergangenen Wochen Rückgabebeschränkungen durchgesetzt, um Mittel im Fonds zu halten und eine geordnete Abwicklung zu ermöglichen. Solche Maßnahmen sollen kurzfristig Stabilität bringen. Sie schüren aber auch Misstrauen: Wenn Manager Auszahlungen begrenzen, zweifeln Außenstehende an der Qualität der Aktiva und an der Liquiditätslage der Fonds.
Manche Marktteilnehmer ziehen nun Gelder ab, andere prüfen ihre Allokation neu. Die DZ Bank schrieb in ihrem Geschäftsbericht, der Markt habe wegen Größe und Intransparenz Risiken für die Finanzmärkte. Die Formulierung ist deutlich: Bei einer Rezession könnten Kettenreaktionen entstehen, die die Wirtschaft weitreichend treffen.
Kann Regulierung helfen?
Regulatoren beobachten die Entwicklung. Still die Deutsche Bundesbank hat sich laut öffentlichen Äußerungen besorgt gezeigt. Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, warnte jüngst im Gespräch mit dem Magazin Spiegel vor der Undurchsichtigkeit des Marktes und dem Potenzial, "an den Finanzmärkten für Unruhe zu sorgen".
Mehr Transparenz und höhere Eigenkapitalanforderungen könnten den Druck verringern. Aber Regulierung ist immer ein Balanceakt: Zu strenge Regeln treiben Kapital in andere, weniger regulierte Ecken; zu lasche Regeln lassen Risiken wachsen. Sascha Steffen von der Frankfurt School betont, dass die Lücke, die Banken nach 2008 ließen, den Boom der Nicht-Banken erlaubte — und dass diese Lücke zugleich die aktuelle Schwachstelle darstellt.
Was sollten Anleger beachten?
Anleger in Eltifs und Private Markets sollten genau hinschauen: Auf die Zusammensetzung der Portfolios, auf die Liquiditätsregeln und auf historische Stressszenarien der Manager. Eltifs bieten oft Vorteile wie langfristige Kapitalbindung und Diversifikation. Aber sie sind kein Freifahrtschein gegen Marktstress.
Right now, kurzfristig sollten Anleger damit rechnen, dass Rückgaben eingeschränkt werden können, wenn Stress im Private-Credit-Segment zunimmt. Langfristig hängt vieles davon ab, wie stark sich Ausfallraten tatsächlich erhöhen und wie vernetzt die betroffenen Manager mit Banken sind.
Was folgt daraus? Die Antworten sind nicht einfach. Marktteilnehmer müssen Risiken neu bewerten, Regulatoren dürften genauer hinschauen — und Anleger sollten die Details ihrer Produkte verstehen, bevor sie langfristig Kapital binden.
Related Articles
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, warnte: "Dieser Markt ist undurchsichtig und hat das Potenzial, an den Finanzmärkten für Unruhe zu sorgen."
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.