Im großen Saal des Shangri-La-Hotels in Singapur am 31. Mai 2026 richtete US-Verteidigungsminister Pete Hegseth scharfe Worte an die Staaten des Indopazifs und forderte sie auf, mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung zu übernehmen. Hegseths Rede verband die Aufforderung zu höheren Verteidigungsausgaben direkt mit einer Reihe wachsender chinesischer Militärmanöver und regionaler Konflikte und setzte so den Ton für den diesjährigen Shangri-La-Dialog. Das Stockholm International Peace Research Institute verzeichnete parallel für 2025 einen Anstieg der Rüstungsausgaben in der Region um 8,1 Prozent auf 681 Milliarden US-Dollar. Die Botschaft der Konferenz war klar: die Kombination aus größerer Militärpräsenz, territorialen Spannungen und ökonomischen Risiken verändert die Sicherheitslage.

Vor Hunderten Delegierten erklärte Hegseth: "Die Zeit, in der die Vereinigten Staaten die Verteidigung wohlhabender Nationen subventioniert haben, ist vorbei" und forderte, dass Verbündete und Partner eigene Befähigungen aufbauen. Die Aussage zielte nicht nur auf höhere Budgets, sie zielte auf eine Neuvermessung des traditionellen US-Sicherheitsversprechens. Für viele Staaten im Raum bedeutet das höhere Erwartungen an ihre Streitkräfte und einen politischen Druck, den Verteidigungshaushalt sichtbar zu erhöhen.

Politische Folgen und Zweifel an der US-Verlässlichkeit

Im Saal diskutierten Delegierte und Experten offen, welche praktischen Folgen ein solcher Strategiewechsel hätte. Sicherheitsexpertin Darshana Baruah vom Internationalen Institut für Strategische Studien, IISS, verwies darauf, dass es heute deutlich mehr Krisenherde im Indopazifik gebe als noch vor zehn Jahren. Beobachter nannten anhaltende Zusammenstöße von Küstenwachen, eine verstärkte Militarisierung von Inseln und wiederholte Manöver der chinesischen Marine als konkrete Treiber dieser Verschlechterung.

Gleichzeitig äußerten mehrere Konferenzteilnehmer Zweifel an der Verlässlichkeit und Berechenbarkeit des US-Engagements. Ja Ian Chong von der Nationaluniversität von Singapur verwies explizit auf eine wachsende Skepsis gegenüber der Fähigkeit und dem Willen der Vereinigten Staaten, Konflikte in der Region dauerhaft abzuschirmen. Michael Vatikiotis vom Zentrum für humanitären Dialog warnte, Signale aus Washington hätten die regionale Unsicherheit eher erhöht als verringert. Solche Zweifel machen Hegseths Appell zur Eigenverantwortung politisch drängender, weil Staaten ihre Sicherheitsstrategien zunehmend eigenständig absichern müssen.

Die Debatte auf dem Shangri-La-Dialog griff über die reine Rüstungsfrage hinaus. Das Stockholm International Peace Research Institute, SIPRI, dokumentierte für 2025 einen Anstieg der Rüstungsausgaben in der Region um 8,1 Prozent auf 681 Milliarden US-Dollar, ein Indiz dafür, dass Geld oft die erste Antwort auf ein verschlechterndes Sicherheitsumfeld bleibt. IISS-Analysten zogen daraus die Schlussfolgerung, dass Staaten, unabhängig von ihrer Größe, dem Trend nicht entgehen können.

Konflikte und Scharmützel hatten sich bereits in mehreren Ländern ausgewirkt. Indien, Pakistan, Thailand und Kambodscha verzeichneten in den vorangegangenen Monaten und Jahren direkte militärische Auseinandersetzungen oder Grenzscharmützel, die die Lage zusätzlich belasteten.

Diese Zwischenfälle nähren politische Entscheidungen für höhere Verteidigungshaushalte und verstärkte Kooperationen mit externen Partnern.

Neben militärischen Faktoren rückten wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen in den Fokus, weil sie die Stabilität langfristig beeinflussen. Demografischer Wandel ist ein Beispiel: In Busan in Südkorea haben seit 1995 rund 600.000 Menschen die Stadt verlassen, und fast die Hälfte der verbliebenen 3,2 Millionen Einwohner ist über 50 Jahre alt. Alternde Bevölkerungen belasten Arbeitsmärkte und Haushaltssysteme und limitieren die Fähigkeit, langfristig sowohl militärische als auch zivile Kapazitäten zu unterhalten.

Die Welternährungsorganisation warnte auf der Konferenz zudem vor einer schweren Krise bei Lebensmittelpreisen, die Afrika und Asien bedrohe. Störungen in Versorgungsketten, steigende Energiepreise und Engpässe bei Düngemitteln gefährden die Ernährungssicherheit in Teilen des globalen Südens und können politische Spannungen verschärfen, die wiederum sicherheitspolitische Risiken erhöhen.

Die politische Rahmung der Debatte war unmissverständlich. Singapurs Premierminister Lawrence Wong hatte vor Beginn des Dialogs gewarnt, die Welt werde zunehmend volatil sein. To Lam, der die Konferenz mit einer Keynote eröffnete, forderte ausdrücklich, Streitigkeiten innerhalb eines rechtlichen Rahmens zu regeln und Wettbewerb begrenzt und vorhersehbar zu halten. Solche Appelle zeigten, dass regionale Führungskräfte nicht nur auf militärische Antworten setzen, sondern auch auf Rechtsordnung und Regeln als Stabilitätsanker.

Für die Teilnehmer des Shangri-La-Dialogs bedeutet Hegseths Appell ein doppeltes Signal: erstens die Erwartung an eigene Aufrüstung und Kapazitätsaufbau, zweitens die Unsicherheit über die langfristige Rolle externer Garantien. Beides zusammen verlangt von Staaten im Indopazifik, politische Prioritäten neu zu ordnen und strategische Ressourcen gezielter einzusetzen.

Related Articles

SIPRI zufolge beliefen sich die Rüstungsausgaben im Indopazifik 2025 auf 681 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.