70 Prozent der Krankenhäuser geben fehlende finanzielle Mittel als Barriere für IT-Sicherheit an, und der Bundesverband KH-IT warnt, dass geplante Sparmaßnahmen die Digitalisierung deutscher Kliniken akut bedrohen. Der Verband bezeichnet den durch das Krankenhauszukunftsgesetz, kurz KHZG, angestoßenen Fortschritt als "fragil" und fordert verlässliche Finanzierungswege, sonst drohten gestoppte Digitalprojekte. Kliniken beschränken sich demnach zunehmend auf Mindestanforderungen, während Investitionen in Patientenportale, Interoperabilität, IT-Sicherheit und moderne Arbeitsplatzsysteme ausfallen. Verbands- und Studienautoren fordern Prioritäten für Business Continuity Management und reale Cyber-Notfallübungen, konkrete Terminvorgaben für politische Nachbesserungen liegen bislang nicht vor.
Die Warnung des Bundesverbands KH-IT ist deutlich. Geplante Einsparungen im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes gefährdeten nicht nur einzelne Projekte, sondern die Nachhaltigkeit der Klinik-IT insgesamt, heißt es in der Stellungnahme. Der Verband spricht von einem fragilen Fortschritt, den das Krankenhauszukunftsgesetz angestoßen habe, und mahnt: Ohne verlässliche Mittel würden viele Digitalvorhaben gestoppt.
Spargesetz trifft laufende Projekte
Andreas Lockau, Vorsitzender des Bundesverbands KH-IT, bringt das Problem auf den Punkt: Die Kostenkalkulation in den Häusern werde immer schwieriger, und am Ende fehlten Mittel, "um Digitalisierung einzuführen und dauerhaft zu betreiben." Die stellvertretende Vorsitzende Alexandra Heimel ergänzt, viele Kliniken erfüllten derzeit nur noch die Mindestanforderungen, um Sanktionen zu vermeiden. Das Ergebnis sei eine Priorisierung kurzfristiger Pflichten gegenüber langfristigen Modernisierungen.
Als konkrete Baustellen nennt der Verband Investitionen in digitale Patientenportale, Interoperabilität, IT-Sicherheit sowie moderne klinische Arbeitsplatzsysteme. Vorgesehene Maßnahmen wie mobile Arbeitsplätze oder moderne Authentifizierungslösungen würden vielfach nicht umgesetzt. Parallel stellen uneinheitliche Umsetzungsstrukturen auf Länderebene zusätzliche Hürden dar: Bundesländer schafften teils eigene Strukturen, was bundesweite Projekte erschwere.
Hinzu komme Anpassungsdruck durch gesetzliche Vorgaben und neue Dienste der Telematikinfrastruktur. Dienste wie die elektronische Patientenakte und der sichere Nachrichtenaustausch KIM erhöhen die Anforderungen an Schnittstellen, Sicherheitskonzepte und Betriebsprozesse. Ohne planbare Budgets und Personalressourcen geraten diese Vorhaben nach Ansicht des Bundesverbands KH-IT in Gefahr.
Personalengpässe und wachsende Cyberrisiken
Die Finanzierungsprobleme treffen auf ein schon jetzt angespanntes Personalmarktumfeld. Nach Angaben von Krankenhaus-IT.de berichten rund drei Viertel der Krankenhäuser von Schwierigkeiten, IT-Fachkräfte zu gewinnen. Im Schnitt blieben etwa 14 Prozent der IT-Stellen unbesetzt.
Eine in der Fachberichterstattung zitierte KPMG-Umfrage kommt zu einem ähnlichen Befund: 78 Prozent der IT-Abteilungen in Krankenhäusern seien personell unterbesetzt.
Personalmangel bremst nicht nur Neubauprojekte, er verzögert auch die Einführung und den laufenden Betrieb von Sicherheitsmaßnahmen und Anwenderschulungen. Die Folgen sind greifbar. Nach der gemeinsamen Krankenhaus-Studie 2025 von BDO und Deutschem Krankenhausinstitut, DKI, bewerten 90 Prozent der befragten Krankenhäuser die Bedrohung durch Cyberkriminalität als hoch oder sehr hoch. Jedes fünfte Krankenhaus war in den vergangenen drei Jahren von einem meldepflichtigen Cybervorfall betroffen.
Finanzielle Engpässe werden in der Studie explizit als zentrales Hemmnis genannt: 70 Prozent der Häuser geben fehlende finanzielle Mittel als Barriere für IT-Sicherheit an. Außerdem meldet ein Drittel der Kliniken unbesetzte Stellen speziell in der IT-Sicherheit. Die Studie zeigt, dass Basisschutzmaßnahmen wie Antivirenprogramme und Firewalls zwar weit verbreitet sind, fortgeschrittene Schutzmaßnahmen aber häufig fehlen.
Nur 16 Prozent der Kliniken verfügen demnach über ein vollständig etabliertes Business Continuity Management. 53 Prozent befinden sich noch in der Umsetzung, und erst jedes zehnte Krankenhaus hat bislang eine realitätsnahe Cyber-Notfallübung durchgeführt. Prof. Dr. Volker Penter, Healthcare-Experte bei BDO, fordert deshalb realitätsnahe Übungen nicht nur für medizinische Notfälle, sondern auch für Cyber-Notfälle. Dr. Karl Blum, Vorstand des DKI, mahnt stärkere politische Unterstützung und die Reduktion regulatorischer Hindernisse an.
Aus den Studien und Verbandspositionen ergeben sich klare Prioritäten. BDO und DKI empfehlen, Business Continuity Management zu priorisieren und entsprechend zu budgetieren, regelmäßige realitätsnahe Notfallübungen durchzuführen, Reaktionsteams einzurichten, Informationssicherheits-Managementsysteme auszubauen sowie regelmäßige Schwachstellenscans und Penetrationstests durchzuführen. Der Bundesverband KH-IT betont, Digitalisierung sei kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhafter Prozess, der verlässliche Finanzierungs- und Personalressourcen erfordere.
Politisch bleibt die Frage offen, ob und wie Bund und Länder nachsteuern. Die Stellungnahme des Bundesverbands KH-IT zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz und die Handlungsempfehlungen der BDO/DKI-Studie 2025 bilden bisher die Grundlage laufender Debatten, konkrete Termine oder verbindliche Zusagen nennt die Quellenlage nicht.
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Nur 16 Prozent der Kliniken haben ein vollständig etabliertes Business Continuity Management.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.