76 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen testen KI-Agenten, doch nur 19 Prozent nutzen KI in Kernprozessen, zeigt eine Studie von Zoi. Die Untersuchung stützt sich auf eine Civey-Umfrage unter 500 IT-Entscheidern in Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitenden und wurde wissenschaftlich von der Hochschule der Medien Stuttgart begleitet. Zoi-Geschäftsführer Benjamin Hermann brachte die Diskrepanz auf den Punkt: "Mit KI anfangen ist einfacher, als mit KI produktiv zu sein." Die Zahlen zeichnen ein Bild von breitem Interesse, aber begrenzter Verankerung in der operativen Arbeit.

Die zentrale Erkenntnis der Studie des IT-Beratungsdienstes Zoi ist nüchtern: Experimentierfreude ist hoch, ernsthafte Produktivsetzung bleibt die Ausnahme. 76 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen gaben an, aktiv mit KI-Agenten zu experimentieren, doch lediglich 19 Prozent berichteten von einem Einsatz dieser Technologien in ihren Kernprozessen. Die Befragung wurde von Civey durchgeführt und wissenschaftlich durch die Hochschule der Medien Stuttgart begleitet. Zoi veröffentlichte die Studie am 24. Mai 2026.

Technische Hürden und organisatorische Lücken

Als Hauptgründe für das Stocken der Einführung nennen die IT-Verantwortlichen vor allem technische und organisatorische Barrieren. An erster Stelle steht die Komplexität bestehender IT-Infrastrukturen. Viele Firmen operieren noch mit heterogenen, historisch gewachsenen Systemlandschaften, in die sich moderne KI-Komponenten nur schwer integrieren lassen. Eng damit verbunden ist ein Mangel an Fachwissen im eigenen Personal. Neue Modelle und Agenten erfordern Skills, die in den Entscheiderteams noch nicht flächendeckend vorhanden sind.

Die Zoi-Studie stellt ausdrücklich fest, dass Budgetfragen oder Unsicherheiten über den finanziellen Nutzen seltener als Hemmnis genannt wurden. Das bedeutet: Geld allein löst das Problem nicht. Selbst technologisch erfolgreichen Vorreitern fehlt häufig die Kapazität, wachsende Systemkomplexität zu kontrollieren und produktive KI-Lösungen dauerhaft zu betreiben. "Mit KI anfangen ist einfacher, als mit KI produktiv zu sein", sagte Zoi-Geschäftsführer Benjamin Hermann zu den Ergebnissen.

Strategische Defizite auf Führungsebene verstärken die technische Seite der Herausforderung. Rund drei Viertel der Unternehmen gaben an, eine schriftlich festgehaltene Strategie der Unternehmensleitung zu haben. Nur etwa ein Drittel der Firmen verknüpft diese Strategie jedoch mit konkreten, messbaren Zielen. Professor Jan Kirenz von der Hochschule der Medien Stuttgart fasste die Lage so zusammen, dass zwar breites Innovationsinteresse bestehe, die breite Wertschöpfung durch KI aber bislang ausbleibe.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage betrifft die Auswirkungen auf Beschäftigung. 79 Prozent der IT-Entscheider sagten, dass generative KI die Mitarbeiterzahl stabil halte oder sogar erhöhe. Diese Aussage relativiert den oft kolportierten Automatismus, wonach KI zwangsläufig Personalabbau nach sich ziehe.

Vielmehr scheint KI dort zu wachsen, wo Unternehmen neue Aufgabenprofile schaffen oder Routinearbeiten anders verteilen.

Für die Autoren der Studie und die befragten IT-Verantwortlichen folgt daraus eine klare Handlungsanweisung: Unternehmen sollten von schnellen Proof-of-Concepts zu gezielten Rollouts übergehen, begleitet von Qualifizierungsprogrammen und klaren Kennzahlen. Ohne eine verbindliche Zielsetzung und ohne verlässliche Messgrößen blieben Projekte synthetisch, statt echten Geschäftsnutzen zu liefern.

Die Zoi-Studie macht deutlich, dass die Integration von KI kein reines IT-Projekt ist. Sie verlangt organisatorische Anpassungen, ein klar definiertes Kompetenzportfolio und eine Roadmap, die den Schritt von Experiment zu Standardbetrieb beschreibt. Andernfalls drohen Investitionen in Pilotphasen stecken zu bleiben.

Parallel zur Unternehmenslandschaft dokumentiert die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage, dass es an systematischen Erhebungen zur Nutzung von KI in der Justiz mangelt. Das Bundesjustizministerium stellt fest, dass keine konkreten Erkenntnisse über eine aktuelle Zunahme von KI-generierten Anträgen vorliegen. Gleichzeitig treibt der Staat die Automatisierung standardisierter Arbeitsschritte voran.

In mehreren Bundesländern laufen Projekte zur Anonymisierung von Daten und zur Unterstützung bei Massenverfahren. Projektbezeichnungen, die in den Ländern im Einsatz sind, lauten Aleks, Jano und Maki.

Jano ist, wie berichtet, im Dezember in der Zivilgerichtsbarkeit in den Regelbetrieb gegangen. Erste Praxiserfahrungen aus diesen Projekte sind überwiegend positiv: Nach Angaben der Projektverantwortlichen erreichen Anonymisierungsalgorithmen höhere Trefferquoten als manuelle Bearbeitung bei Routineaufgaben.

Gleichzeitig zeigen die Justizprojekte typische Risiken: Berliner Richter beanstandeten erfundene Aktenzeichen und frei halluzinierte Urteilszitate in Schriftsätzen. Das Bundesjustizministerium warnt in seiner Antwort vor Verzerrungen durch fehlerhafte oder unvollständige Daten, algorithmischen Blendwerken, mangelnder Nachvollziehbarkeit und Manipulationsrisiken. Diese Warnungen spiegeln, in abgespeckter Form, die technisch-organisatorischen Bedenken, die auch die Zoi-Studie für Unternehmen ausweist.

Die Befunde aus Wirtschaft und Justiz fallen zusammen: Automatisierung hat echtes Potenzial, sie verlangt aber saubere Daten, Governance und Messbarkeit. Ohne diese Voraussetzungen besteht die Gefahr, dass KI-Projekte entweder im Piloten verharren oder die Justizpraxis und Unternehmensprozesse unnötig belasten.

Related Articles

Die prägnanteste Zahl der Untersuchung bleibt, dass nur 19 Prozent der befragten Großunternehmen KI in Kernprozessen einsetzen. Die Zoi-Studie wurde am 24. Mai 2026 veröffentlicht. Ursprünglich berichtet von Die Zeit.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.