2,5 Milliarden Euro: So hoch schätzt eine IW-Consult-Analyse den direkten Umsatzverlust im deutschen Einzelhandel durch die Plattformen Shein und Temu. Vor dem Londoner High Court lieferten beide Konzerne am Montag gegensätzliche Darstellungen, und eine einstweilige Verfügung führte bereits zur Entfernung tausender Angebote. Die Auseinandersetzung wirft ein Schlaglicht auf überlappende Produktionsnetzwerke, laufende Kartellprüfungen in Deutschland und geplante EU-Abgaben, die das Preisgefüge für Direktimporte verändern sollen.
Der Prozess zwischen Shein und Temu begann in London, wo Shein Temu Urheberrechtsverletzungen "im industriellen Maßstab" vorwirft und Temu mit einer Gegenklage antwortet. Vor Gericht präsentierten die Parteien sehr unterschiedliche Narrative über Herkunft, Vertrieb und Wettbewerbsbedingungen der meist preisgünstigen Modeangebote. Einer Gerichtsbegleitberichterstattung zufolge behauptete Sheins Anwalt Benet Brandreth, Temu habe Tausende Fotos von Sheins Website verwendet, um Nachahmungen von Eigenmarken zu bewerben und sich so "einen unfairen Vorteil zu verschaffen".
Was vor Gericht stand
Temus Anwältin Charlotte May widersprach dieser Darstellung und sagte, die Händler auf der Plattform hätten die nötigen Zustimmungen. Sie beschrieb die Klage als Versuch Sheins, "legitimen Wettbewerb zu unterdrücken". Temu selbst erhebt zusätzlich Vorwürfe gegen Shein: Die Plattform behauptet, Shein habe Lieferanten durch Exklusivverträge gebunden. Temu verlangt deshalb Schadenersatz, weil die durch Shein erwirkte einstweilige Verfügung das Angebot auf Temu erheblich reduziert habe, so die Gegenbehauptung.
Die Details zur Chronologie sind derzeit jedoch begrenzt. Nach Angaben einer Gerichtsbegleitberichterstattung verklagte Shein Temu bereits 2023; Temu habe 2024 eine Gegenklage eingereicht. Dieselbe Berichterstattung führt auch die einstweilige Verfügung und die behauptete Entfernung "tausender" Produktangebote an. Diese Punkte basieren auf einer einzelnen Gerichtsbegleitquelle und sind daher besonders vorsichtig zu werten.
Ökonomische Wirkung in Deutschland
Außerhalb des Gerichtssaals rückt der Streit die ökonomischen Effekte der beiden Plattformen in den Mittelpunkt. Eine Analyse von IW-Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland, HDE, schätzt den direkten Umsatzausfall des Einzelhandels durch Temu und Shein auf 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Unter Anwendung eines Multiplikators kommt das Institut auf einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 5 Milliarden Euro. Die Studie nennt zudem mehr als 40.000 verlorene Arbeitsplätze im Einzelhandel und schätzt entgangene Steuererträge des Bundes, der Länder und Kommunen auf bis zu 420 Millionen Euro jährlich.
Der HDE berichtete außerdem, dass Temu und Shein im Jahr 2025 täglich rund 460.000 Pakete nach Deutschland geliefert hätten. Vor diesem Hintergrund fordert der Verband schärfere Maßnahmen gegen mutmaßliche Marktverzerrungen. HDE-Präsident Alexander von Preen sagte wörtlich, "wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden".
Diese Forderung steht im Zusammenhang mit zunehmender politischer und regulatorischer Aufmerksamkeit in Brüssel und Berlin.
Parallel prüft das Bundeskartellamt seit Oktober die Muttergesellschaft von Temu, Technology Limited, wegen möglicher illegaler Preisgestaltung gegenüber Händlern. Die Untersuchung ist ein weiteres Element des regulatorischen Drucks, der auf Plattformen wie Temu und Shein lastet.
Regulatorische Reaktionen und Auswirkungen auf Preise
Auf EU-Ebene plant Brüssel Maßnahmen, die das Geschäftsmodell von Niedrigpreisplattformen verändern könnten. Ab Juli ist nach den Plänen eine Pauschale von drei Euro für Pakete mit einem Warenwert bis 150 Euro vorgesehen. Ab 1. November soll zudem eine neue Bearbeitungsgebühr für alle aus Drittstaaten eingeführten Online-Bestellungen eingeführt werden. Langfristig sieht die Strategie vor, die bisherige Freigrenze von 150 Euro abzuschaffen und Einfuhren ab dem ersten Euro zollpflichtig zu machen, sobald eine neue digitale Abwicklungsplattform steht.
Die Kombination aus juristischen Auseinandersetzungen, kartellrechtlichen Prüfungen und zusätzlichen Abgaben dürfte das Preisgefüge verändern. Für deutsche Händler und Logistiker kann das bedeuten, dass vermeintlich niedrige Onlinepreise zukünftig weniger konkurrenzfähig sind, weil Importkosten und Gebühren den Endpreis erhöhen. Für Verbraucher könnten die Maßnahmen die Attraktivität extrem günstiger Direktimporte schmälern.
Gleichzeitig offenbart der Rechtsstreit strukturelle Fragen der Branche. Das Verfahren dürfte Einblick in überlappende Produktionsnetzwerke geben. Wenn Händler auf verschiedenen Plattformen dieselben Lieferanten nutzen, lassen sich geistige Eigentumsrechte, Exklusivklauseln und Vertragsbedingungen schwerer trennen. Die konkrete Reichweite dieser Effekte bleibt aber noch offen, wie mehrere Berichterstattungen anmerken.
Operativ hat der Rechtsstreit bereits Folgen: Die einstweilige Verfügung gegen Temu führte, nach Angaben einer Gerichtsbegleitberichterstattung, zu einer massiven Reduktion des Plattformangebots, weil Tausende Einträge entfernt wurden. Für Händler ohne eigene Marke oder mit sehr niedriger Marge kann das kurzfristig existenzielle Folgen haben. Für Konsumenten führte die Verknappung zu weniger Auswahl bei sehr günstigen Artikeln.
In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch politische Debatten in Deutschland, die von möglichen Einschnitten gegen Marktteilnehmer bis hin zu neuen Regulierungen reichen. Unternehmen, Händler und Behörden rechnen mit weiteren rechtlichen und administrativen Auseinandersetzungen.
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Als nächster konkreter Schritt ist vorgesehen, dass die Frage der angeblichen Exklusivverträge von Shein gegenüber Lieferanten im kommenden Jahr vor Gericht verhandelt wird. Parallel treten die EU-Maßnahmen in Kraft: die drei-Euro-Pauschale ab Juli und die Bearbeitungsgebühr ab 1. November.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt.